Ich wurde neulich gefragt:
Wenn Du es Dir aussuchen könntest, wie würde Dein Leben
dann aussehen?
Spontan wollte ich antworten:
Ist doch klar: Wein, Weib und Gesang! Oder etwas moderner ausgedrückt: Sex, Drugs and Rock ‘n’ Roll!
Wenn ich das jetzt auf meine Wünsche übertrage reden wir, ohne ins Detail zu gehen, von einem Leben im Luxus. Shoppen bis die Kreditkarte brennt, Sportwagen, Parties teure Gadgets und schlafen bis um 16 Uhr.
An dieser Stelle könnte man darüber streiten, ob ich ein Materialist bin – werden wir aber nicht! Dann ist mir etwas aufgefallen: Wie lange macht man das? Ich meine, wie lange hält man dieses Leben durch, bis es einen nicht mehr erfüllt? Irgendwann hat man jede Party gesehen, jeden Wagen gefahren und jede Party gefeiert und dann?
Also habe ich nochmal überlegt und bin zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen. Jeder hatte im Leben schon einen dieser Perfekten Momente. Einen Moment in dem man denkt: „Das Leben könnte nicht besser sein!“
Ich selber habe da einen Abend besonders in Erinnerung. Es war an dem Tag, als ich meine Abiturnoten bekam und klar war, dass ich die Schule damit offiziell abgeschlossen hatte. Das war vor etwa 10 Jahren und ist immer noch einer der perfektesten Momente in meinem Leben.
An diesem Abend bin ich in mit dem geliehenen Golf Cabrio meines Bruders und einer Frau, die ich bid heute nicht vergessen kann, bei Sonnenuntergang Spazierengefahren. Es war Mai, die Luft war mild, das Wetter großartig und ich hatte einen wichtigen, wenn auch stellenweise sehr nervtötenden Lebensabschnitt abgeschlossen. Die Welt hielt ihre Arme weit geöffnet und ich wusste, dass mich da draußen das große Abenteuer des Lebens erwartete. Viel mehr noch, ich hatte das Gefühl einer allgegenwärtigen Freiheit, die mich in diesem Augenlick mit so viel Spaß am Leben erfüllte, dass ich es nie wieder loslassen wollte. Ich hätte alles machen können, jeden Weg wählen können was vor mir lag war ein Sandkasten in dem ich mich nach Herzenslust austoben konnte. In einem Sandkasten ist alles existent und nichts ist zu sehen – die Möglichkeiten sind unendlich. Ich glaube so extrem wie in diesem Moment habe ich das Leben noch nie empfunden und geliebt.
Das Ganze hat leider einen Haken: Je älter man wird, desto mehr muss man sich auf einen Weg festlegen und je mehr man sich auf einen Weg festlegt, desto geringer werden die Möglichkeiten, die man hat und je weniger Möglichkeiten man hat, desto mehr schwindet die Freiheit.
Jetzt könnte man wiederum darum diskutieren, ob man nicht selber dafür verantwortlich ist, wieviele Möglichkeiten man hat. Könnte man, wäre aber Sinnlos. Denn wir alle wissen, dass wir gewissen Zwängen, Pflichten und dem Selbsterhaltungstrieb unterliegen und dessen kann man sich nicht einfach entledigen.
Wenn ich also nochmal gefragt werde:
Wenn Du es Dir aussuchen könntest, wie würde Dein Leben
dann aussehen?
Werde ich sagen:
Wie ein Sandkasten.